#Volatility - Der Anlage-Podcast

#Volatility - Der Anlage-Podcast

Die Episode am 06.07.2022 war die letzte Folge von #Volatility im bekannten Set-up mit der Börsen-Zeitung. Wir bedanken uns bei Christiane Lang und Franz Cong Bùi für mehr als 60 spannende und kurzweilige Episoden. QC Partners ist engagiert, Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, auch weiterhin einen Podcast in diesem oder einem angepassten Format anzubieten. Über die Fortschritte dazu halten wir Sie über volatility.podigee.io, über die bekannten Plattformen sowie über www.qcpartners.com auf dem Laufenden.

Transkript

Zurück zur Episode

#40: 00:06-7# (Lang): Hashtag Volatility, der Anlage Podcast von Börsen-Zeitung und QCPartners

#40: 00:18-4# (Lang): In nur wenigen Wochen am 26. September findet die Bundestagswahl statt. Aber der Ausgang ist offen wie selten zuvor, genauso wie die Bandbreite der möglichen Koalitionen so groß ist wie nie. Und es ist eine Wahl in einer sehr wichtigen Umbruchzeit. Die Corona Pandemie beherrscht seit gut eineinhalb Jahren alle Lebensbereiche, und der Klimawandel schlägt immer offensichtlicher zu. Zudem verlässt Bundeskanzlerin Angela Merkel international hochgeachtet und für viele eine Garantin für den Zusammenhalt Europas nach 16 Jahren die politische Bühne. Die Wahl ist also in vielerlei Hinsicht hochsensibel, was für die Märkte dabei wichtig ist und wie sie reagieren, das wird heute unser Thema sein. Und dazu begrüße ich Sie liebe Hörerinnen und Hörer sehr herzlich. Mein Name ist Christiane Lang, ich bin Redakteurin bei der Börsen-Zeitung, und ich spreche natürlich wie immer mit Thomas Altmann, Partner und Leiter des Portfoliomanagements bei QC Partners. Herr Altmann, die Corona, Pandemie und der Impffortschritt, der Klimawandel mit der jüngsten Flutkatastrophe und jetzt auch noch das Fiasko in Afghanistan beherrschen die öffentlichen Diskussionen und damit den Wahlkampf. Der Abschied von Angela Merkel nach 16 Jahren als Bundeskanzlerin tritt dabei ein bisschen in den Hintergrund. Ist das neben den ganzen anderen Themen dennoch ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor für die Märkte?

#40: 01:32-1# (Altmann): Das ist definitiv. Angela Merkel ist er nicht nur die erste Frau im Kanzleramt, sie geht auch einen Weg, den alle ihre sieben männlichen Vorgänger nicht gegangen sind. Sie tritt freiwillig zurück und damit nicht zu einer möglichen Wiederwahl an. Von daher haben wir im September jetzt eine Konstellation, die wir zuletzt vor der ersten Bundestagswahl im Jahr 1949 hatten. Wir haben ausschließlich Kanzler Kandidatinnen und Kandidaten, die erstmals ins Kanzleramt einziehen wollen. Von daher ist klar, dass auch ein Stück weit ein neuer politischer Wind wehen wird. Und das ist sicherlich ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor.

#40: 02:05-9# (Lang): Es sind wie eingangs auch genannt viele Themen, die den Wahlkampf beherrschen. Was ist denn dabei für die Märkte besonders wichtig?

#40: 02:12-9# (Altmann): An den Börsen geht es ja immer um Geld und wirtschaftliche Freiheit. Von daher sind die Punkte, auf die die Börsianer in den Wahlprogrammen der einzelnen Parteien besonders schauen ganz klar. Im Einzelnen sind, dass die Steuerpolitik, die Regulierung der Wirtschaft oder einzelner Branchen, Investitions oder Förderprogramme für einzelne Branchen. Und natürlich ist auch die Europapolitik für die Börsen nicht ganz unwichtig.

#40: 02:34-3# (Lang): Jetzt haben die Parteien ja sehr unterschiedliche Positionen zu den einzelnen Themen. Und letztendlich kommt es dann natürlich auf die zustande kommen der Regierungskoalition an. Die Umfragen sind aber weiterhin nicht eindeutig, und theoretisch sind damit ja viele Optionen, wie zum Beispiel, Kenia, Ampel oder Deutschland-Koalition denkbar. Dennoch kann oder muss man sich vielleicht jetzt schon auf irgendetwas einstellen?

#40: 02:55-3# (Altmann): Ja, sie haben ja schon einige Varianten angesprochen, und diese zeigen, dass wir uns auch hier auf etwas einstellen müssen, was wir in Deutschland seit Konrad Adenauer nicht mehr hatten, nämlich ein Regierungsbündnis aus drei Parteien. Und dabei rechnet die Union als eine Partei. Wenn wir auf die aktuellen Umfragen schauen, ist eine Vielzahl von Konstellationen möglich. Ich unterstelle für die folgenden Ausführungen, dass die Union auf Bundesebene kein Bündnis mit der Linken eingehen wird. Das unterstelle ich ebenso für die FDP. Zusätzlich gehe ich davon aus, dass weder Union noch FDP, SPD, Grüne oder Linke in eine Koalition mit der AFD eintreten werden. Unter diesen Annahmen hätten nach den aktuellen Umfragen folgende Koalition eine Mehrheit. Eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP, eine Deutschland-Koalition aus Union, SPD und FDP, eine Ampelkoalition aus Grünen, SPD und FDP und eine Kenia-Koalition aus Union, Grünen und SPD. Nach einzelnen Umfragen hätte auch ein Linksbündnis aus Grünen, SPD und der Linken eine Mehrheit. Zweierbündnisse wie die bisherige große Koalition oder Schwarz-Grün hätten dagegen aktuell keine Mehrheit.

#40: 04:05-7# (Lang): Dazu vielleicht ein kurzer Exkurs, Herr Altmann, wie sehr kann man sich eigentlich noch auf Umfragen verlassen, wenn man zum Beispiel an die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Juni denkt? Denn da lagen die Umfragen so sehr daneben wie kaum je zuvor mit Abweichungen zum Wahlergebnis von bis zu 16 Prozentpunkte.

#40: 04:20-4# (Altmann): Ja, das ist ein Phänomen, das wir zuletzt tatsächlich immer häufiger gesehen haben. Die Landtagswahl ist nur ein Beispiel dafür. Denken wir auch an die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten oder an das Brexit Referendum. Auch hier lagen die Meinungsforscher weit daneben. Gründe mag es dafür mehrere geben. Zum einen gibt es sicherlich viele Wählerinnen und Wähler, die sich erst unmittelbar vor der Wahl entscheiden. Die Parteibindung hat in den vergangenen Jahren stetig abgenommen. Zum anderen werden Vorwahlbefragungen möglicherweise nicht immer zu 100 Prozent war beantwortet. Und dann spielen natürlich auch wahltaktische Überlegungen eine Rolle. Und auch die Höhe der Wahlbeteiligung hat einen großen Einfluss auf das Ergebnis. Wir sollten also auch für die Bundestagswahl in Betracht ziehen, dass wir am 26. September möglicherweise ein Ergebnis sehen, das deutlich von den aktuellen Umfragen abweicht.

#40: 05:10-4# (Lang): Kommen wir noch mal zurück zu den Präferenzen der Märkte, welche der Konstellation wären denn aus deren Sicht begrüßenswert und welche eher nicht.

#40: 05:17-9# (Altmann): Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Und das liegt daran, dass die Wahlprogramme der Parteien, die möglicherweise eine Koalition miteinander bilden werden, an vielen Stellen sehr konträr sind. Von daher wird am Ende für die langfristige Börsenentwicklung viel davon abhängen, welche Inhalte aus den einzelnen Wahlprogrammen es auch tatsächlich in den Koalitionsvertrag schaffen. Wir können an dieser Stelle aber gerne mal tiefer in die einzelnen Wahlprogramme eintauchen.

#40: 05:43-4# (Lang): Gerne, dann fangen wir vielleicht mal mit der Regulierung der Wirtschaft an, dass sind eines der Themen, die Sie genannt haben, die für die Märkte sehr wichtig sind, wie groß sind denn die Unterschiede hier,

#40: 05:51-7# (Altmann): Die sind tatsächlich riesig, starten wir hier im Finanzbereich. Vor allem bei den Banken wollen die Grünen deutlich stärker regulieren. Die Grünen machen sich für eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken stark als ein Trennbankensystem. Die Linke möchte Sparkassen und Genossenschaftsbanken fördern und im Gegenzug die Investmentbanken abwickeln. Dazu möchte die Linke den provisionsbasierten Verkauf von Finanzprodukten abschaffen. Die FDP dagegen spricht sich dafür aus, dass sich der Staat aus Banken wie der Commerzbank und den Landesbanken vollständig zurückzieht.

#40: 06:22-7# (Lang): Jetzt betrifft Regulierung neben der Finanzindustrie zum Beispiel auch die Wohnungswirtschaft. Die Wohnungskonzern Vonovia und Deutsche Wohnen sind im DAX durchaus prominente Mitglieder und mit TAG Immobilien und LEG Immobilien sind zwei weitere im MDax gelistet. Für die sind die Pläne der Parteien zu den Mieten natürlich entscheidend. Denn schließlich sind Mietzahlungen ja die klassischen Einnahmen dieser Gesellschaften.

#40: 06:44-4# (Altmann): Das kann ich nur bejahen. Die Union setzt auf Neubau und lehnt jede Deckelung von Mieten ab. Ähnlich sieht es bei der FDP aus. Dagegen möchten die Grünen Mietobergrenzen im Bestand ermöglichen und die Mietpreisbremse entfristen und auch nachschärfen. In Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt ist auch die SPD für diese Entfristung der Mietpreisbremse. Die Linke geht noch einen Schritt weiter. Die Linke möchte nicht nur einen bundesweiten Mietendeckel nach Berliner Vorbild, die möchte die großen Wohnungskonzerne komplett enteignen.

#40: 07:36-2# (Lang): Gibt es eigentlich weitere Branchen, die je nach Regierung stärker reglementiert werden könnten?

#40: 06:44-4# (Altmann): Zumindest, wenn es nach der Linken geht, dann ja. Nach deren Programm sollten Arzneimittelpreise gesetzlich begrenzt werden. Das ist ein Vorschlag, der der Pharmabranche sicherlich gar nicht gefällt. Und die großen Energiekonzerne sollen nach dem linken Programm entmachtet werden. Auch das stößt bei den betreffenden Firmen weniger erstaunlich auf wenig Gegenliebe.

#40: 07:36-2# (Lang): Und dann vielleicht noch ein Thema, was bei Bundestagswahlen ja seit langem immer wieder hochkocht. Und zwar die private Krankenversicherung. Denn hier geht es nicht nur um Regulierung, sondern mehr oder weniger um die Existenz dieser Branche, die ein wichtiger Teil der Versicherungswirtschaft ist. Und auch hier sind die Unterschiede zwischen den Parteien sehr groß.

#40: 07:53-3# (Altmann): Definitiv. Die Union möchte ein Parallelsystem der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung festhalten. Die FDP ebenso, möchte jedoch den Wechsel zwischen den beiden Systemen erleichtern. Dagegen streben die Grünen eine Bürgerversicherung an und möchten dabei Beiträge auf alle Einkommensarten erheben. Und auch die SPD befürwortet das Konstrukt der Bürgerversicherung. Dass die großen Versicherungskonzerne und auch deren Aktionäre ein Interesse daran haben, weiterhin einen Zugang zum Geschäftsfeld der Krankenversicherung zu haben, das ist klar.

#40: 08:23-4# (Lang): Jetzt haben wir über das größte Thema des aktuellen Wahlkampfs bisher noch gar nicht gesprochen, nämlich die Energiewende. Wer profitiert hier von den Plänen welcher Partei,

#40: 08:31-8# (Altmann): Die GroKo hat ja einen Ausstieg aus der Kohleenergie bis zum Jahr 2038 beschlossen. Geht es nach dem Willen der Grünen und der Linken, dann wird dieser Ausstieg auf das Jahr 2030 vorgezogen. Die Grünen wollen nicht nur aus Kohle und Erdöl, sondern auch aus Erdgas aussteigen. Zusätzlich zu den offenen außen und handelspolitischen Fragen liefert die Position der Grünen zum Erdgas hier natürlich auch neuen Zündstoff für die anhaltenden Diskussionen um die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Dass diese Ziele der Grünen deutlich höhere Investitionen in erneuerbare Energien wie Sonnen und Windenergie nach sich ziehen müssen, ist klar. Von daher dürften Firmen, die in diesem Bereich aktiv sind, von einer Regierungsbeteiligung der Grünen profitieren.

#40: 09:13# (Lang): Und auch wenn es um die Mobilität der Zukunft geht, sind sich die Parteien auch nicht wirklich einig.

#40: 08:31-8# (Altmann): Ganz genau bei der Mobilität sehen die Pläne ebenfalls recht unterschiedlich aus. Die Grünen möchten schon 2030 nur noch emissionsfreie Autos zulassen. Die FDP stellt sich dagegen gegen ein Verbot von Verbrennungsmotoren. Die Union möchte erst noch einen Zeitplan vorlegen. Die SPD möchte 2030 zumindest 25 Millionen E-Autos auf deutschen Straßen sehen. Die Automobilindustrie wird also sehr genau auf den Wahlausgang und dann vor allem auf die Inhalte des Koalitionsvertrages schauen.

#40: 09:47-4# (Lang) Sehr Unterschiedliche Positionen zum Teil. Wenn wir jetzt mal auf die großen Konzerne schauen: hohe Managergehälter und starke Lohngefälle sind speziell den Grünen und der Linken ein Dorn im Auge.

#40: 09:57-4# (Altmann): Deshalb schlagen diese beiden Parteien vor Gehälter von Managern und Vorständen, die die Schwelle von 500.000 Euro übersteigen, nicht mehr als Betriebsausgaben abzuziehen. Das kommt an der Börse natürlich gar nicht gut an.

#40: 10:09-2# (Lang): Schauen wir mal direkt auf die Arbeitnehmer und ihre Löhne. Welche Auswirkungen haben die Löhne denn auf die Wirtschaft? Aktuell liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 09,60 Euro. Eine schrittweise Anhebung auf 10,40 Euro ist ja bereits beschlossen.

#40: 10:20-8# (Altmann): Wer die Auswirkungen eines höheren Mindestlohns zu prognostizieren, ist nicht ganz einfach. Zunächst einmal bedeutet ein höherer Mindestlohn für viele Unternehmen höhere Kosten. Gleichzeitig steigen jedoch die Gehälter und zumindest einen Teil des zukünftigen Gehaltes wird in den Konsum fließen, sodass gleichzeitig bei einigen Unternehmen die Umsätze ansteigen werden. Das wiederum gibt den Unternehmen mehr Spielraum für Preiserhöhungen. Natürlich können wir aber nicht ausschließen, dass mit einer deutlichen Erhöhung des Mindestlohnes auch Arbeitsplätze verloren gehen werden. SPD und Grüne möchten den Mindestlohn bei zwölf Euro sehen, die Linke sogar bei 13 Euro.

#40: 10:54-2# (Lang): Bleiben wir jetzt mal bei den Löhnen und reden über die Einkommensteuer.

#40: 10:57-8# (Altmann): Einig sind sich die Parteien hier, das kleinere und mittlere Einkommen steuerlich entlastet werden sollen. Bei den Besserverdienenden wird es jedoch konträr. SPD, Grüne und Linke wollen zur Gegenfinanzierung die Steuern am oberen Ende erhöhen. Die Union lehnt dies ab. Die FDP will den Spitzensteuersatz sogar erst deutlich später greifen lassen. Beim Solidaritätszuschlag sieht das ähnlich aus. Union und FDP wollen den komplett abschaffen. SPD und Linke wollen, an dem noch nicht abgeschafften Teil festhalten. Auch hier gilt, dass Teile der Steuerersparnis sicherlich wieder in den Konsum fließen werden, welche Konsum Einbußen, höhere Steuern für Besserverdienende zur Folge haben werden. Das ist schwer vorherzusehen. Hier kann das Pendel am Ende tatsächlich in die eine oder in die andere Richtung ausschlagen.

#40: 11:44-8# (Lang): Jetzt sind die Konsum Auswirkungen von steuerlichen Veränderungen für die Unternehmen, die eine Sache. Wesentlich entscheidender für die Börsen dürften aber die Konzepte zur Unternehmensbesteuerung sein, sind die Ideen hier ähnlich konträr?

#40: 11:56-0# (Altmann): Jetzt, zur Zeit von Donald Trumps Präsidentschaft, haben wir gesehen, wie positiv niedrige Unternehmenssteuer für die Börsen sein können und wie es sich schon angedeutet haben, wird es hier zwischen den Parteien ähnlich konträr. Während sich die Union für einen Steuersatz von maximal 25 Prozent einsetzt, sehen die Grünen bei 25 Prozent das absolute Minimum.

#40: 12:14-9# (Lang): Dann bleiben wir noch einmal kurz bei der Steuer. Die Vermögenssteuer ist das nächste Thema, das zwischen den Parteien sehr kontrovers diskutiert wird.

#40: 12:22-1# (Altmann): Genauso ist es. Und natürlich ist auch die Vermögenssteuer eine Steuer, die auf dem Parkett nicht allzu gerne gesehen wird. Union und FDP lehnen sie ab. Die Grünen möchten eine Steuer von jährlich einem Prozent ab einem Vermögen von 2 Millionen. Die SPD ebenfalls 1 Prozent ab einem nicht genau genannten sehr hohen Vermögen. Die Linke strebt einen progressiven Tarif von bis zu 5 Prozent an.

#40: 12:44-8# (Lang): Jetzt kommen wir mal zur Haushaltspolitik. Die spielt im Wahlkampf eine beinahe ebenso große Rolle. Die Diskussion um die Schuldenbremse ist erneut entbrannt. Warum ist das Thema wichtig? Und wie sind die Ansätze der Parteien hier?

#40: 12:55-6# (Altmann): Ja. Die Schuldenquote entscheidet am Kapitalmarkt darüber, als wie solide ein Schuldner wahrgenommen wird und wie hoch die Zinsen ausfallen. Die Union möchte er die Schuldenquote zügig unter die 60 Prozent-Schwelle drücken, mit ausgeglichenem Haushalt arbeiten und die Schuldenbremse wieder in Kraft setzen. Bei der FDP liest sich das relativ ähnlich. Die SPD bleibt der etwas wage und schreibe nur, dass sie den verfassungsrechtlich möglich ein Spielraum zur Kreditaufnahme auch nutzen möchte. Die Grünen dagegen wollen die Schuldenbremse reformieren und Kredite für Investitionen zulassen. Die Linke will die Schuldenbremse komplett abschaffen und ebenfalls Kredite für Investitionen zulassen. Bei allen Unterschieden müssen wir dennoch festhalten, dass Deutschland von unabhängig von der nächsten Regierungskoalition ein solider Schuldner bleiben wird.

#40: 13:41-5# (Lang): Dann Herr Altmann bleibt noch die Europapolitik als Wahlkampfthema. Und das ist ja auch ein Thema, das die Börsen durchaus bewegen kann. Die EU beginnt erstmals gemeinsame Anleihen und schon zuvor waren Euro-Bonds in Deutschland immer wieder das Thema kontroverse Debatten. Wie sieht es denn hier aus?

#40: 13:56-5# (Altmann): Ja zumindest das Wort Euro-Bonds ist in keinem der Wahlprogramme enthalten. Union und FDP positionieren sich ja sehr klar und sehen die aktuelle gemeinsame Schuldenaufnahme als befristet und einmalig. Die Linke dagegen befürwortet ganz klar europäische Anleihen, und auch mit den Grünen und der SPD könnten diese durchaus Wirklichkeit werden. Und während die Union und die FDP darauf drängen, die Fiskalregeln zügig wieder in Kraft zu setzen und auch Regeln für staatliche Insolvenzen aufstellen wollen, spreche die Grünen und die SPD von einer eigenständigen Fiskalpolitik Europas und der Vollendung der Währungsunion.

#40: 14:32-0# (Lang): Das Thema hat also durchaus Sprengkraft, und die Punkte werden sicherlich auch im europäischen Ausland genau verfolgt. Gibt es denn auf europäischer Ebene weitere Divergenzen?

#40: 14:40-9# (Altmann): Hier ist der nächste Punkt ist die europäische Einlagensicherung. Auch hier verläuft die Trennlinie zwischen Union und FDP auf der Contra-Seite und SPD und Grünen auf der Pro-Seite. Mindestens genauso stark auf Konfrontationskurs geht die FDP mit ihrem Vorschlag, von Banken gehaltenen Staatsanleihen risikoadäquat mit Eigenkapital hinterlegen zu müssen. Diese Umsetzung könnte zu deutlichen Kursverlusten und Renditeanstieg bei Staatsanleihen bonitätsschwächerer Euro-Staaten führen.

#40: 15:08-4# (Lang): Wenn man jetzt mal an den Wahlausgang denkt, Herr Altmann, mit welchen Marktreaktion muss man denn je nach Situation rechnen?

#40: 15:14-7# (Altmann): Ich gehe davon aus, dass wir durchaus spontane und stärkere Kursausschläge bei einzelnen Aktien und auch gesamten Branchen sehen werden. Für die längerfristige Entwicklung wird dann entscheidend sein, welche Inhalte es in einen Koalitionsvertrag schaffen. Denn es ist klar geworden, dass die Dreierbündnisse, die aktuell eine Mehrheit hätten, an vielen Stellen extrem heterogene Wahlprogramme haben. Auf gesamt Markt Ebene dürften die reinen Wahl Auswirkungen überschaubar bleiben. Zumindest dann, wenn die Bundestagswahl tatsächlich so ausgeht, dass eine der vorgestellten Dreierbündnisse am Ende eine Koalition bilden kann. Denn mit den Dreierkoalitionen, die aktuelle in allen Umfragen eine Mehrheit hätten, können die Börsenwelt relativ gut leben. Und die Wahrscheinlichkeit eines Linksbündnisses wird auf dem Parkett als sehr gering eingestuft.

#40: 15:59-3# (Lang): Stimmt eigentlich der Spruch politische Börsen haben kurze Beine. Also kann man selbst im Fall von Turbulenzen nach einem unerwarteten Wahlergebnis damit rechnen, dass die Märkte das auch wieder schnell vergessen?

#40: 16:10-4# (Altmann): In den meisten Fällen hat sich das besser tatsächlich als wahr erwiesen. Und schauen wir hier zurück auf die letzte Bundestagswahl. Und da unser Podcast Hashtag Volatility heißt, werfen wir einen Blick auf den Volatilitätsindex des DAX, den VDax-New hier besonders interessant. Im Oktober 2017 also wer der andauernden Jamaika-Verhandlungen als Deutschland noch keine neue Regierung hatte, ist diese Volatilitätsindex mit einem Wert von 10,5 auf ein 21 Jahrestief gefallen. Und selbst am Tag des Jamaika-Aus im November ist der Volatilitätsindex nur bis auf 14,8 Punkte angestiegen. Das zeigt, dass eine Bundestagswahl zwar Einzelwerte und Bräuchen stark bewegen können, den Gesamtmarkt aber nur bedingt.

#40: 16:51-5# (Lang): Jetzt ist die Wahl ja noch ein paar Wochen hin. Wie ist eigentlich die Lage vor der Wahl? Also inwiefern beeinflussen die Umfragen und Koalitionsdebatten denn die Märkte?

#40: 17:00-2# (Altmann): Ja, im Moment hält sich das noch sehr in Grenzen. Das liegt natürlich auch daran, dass die Börsen eben mit all diesen Dreierbündnissen, die in allen Umfragen eine Mehrheit haben, leben können. Mit starken Änderungen und vor allem einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit eines Linksbündnisses sind größere Ausschläge aber trotzdem jederzeit möglich.

#40: 17:18-5# (Lang): Und jetzt vielleicht ganz zum Schluss Herr Altmann was raten Sie Anlegern mit Blick auf die Wahl?

#40: 17:20-2# (Altmann): Jetzt zunächst einmal Ruhe bewahren und sich nicht von schnellen Stimmungswechseln auf dem Parkett verrückt machen lassen. Denn Deutschland wird auch nach der Wahl ein demokratisches Land im Herzen Europas sein.

#40: 17:31-6# (Lang): Also Besonnenheit und Ruhe bewahren in diesen turbulenten Zeiten vor der Bundestagswahl. Die Märkte sind es weitgehend auch, sagen sie, und letztlich könnte nur ein Linksbündnis hier Aufruhr verursachen. Herr Altmann, herzlichen Dank für diesen intensiven Überblick über die Pläne der Parteien zu den für die Märkte relevanten Themen. Letztlich kommt es, wie Sie gesagt haben, auf die künftige Regierungskoalition an und welche der Punkte ist in den Koalitionsvertrag schaffen. Es bleibt also wahrscheinlich auch noch lange nach der Wahl sehr spannend. Und damit verabschieden wir uns nun von Ihnen Liebe Hörerinnen und Hörer und freuen uns, wenn Sie wieder dabei sind am 1. September, wenn die nächste Folge von Hashtag Volatility erscheint. Bereits am kommenden Freitag am 20. August ab 07:00 Uhr erwartet sie eine neue Folge des Podcasts sieben Tage Märkte - die Wochenvorschau der Börsen-Zeitung. Bis dahin alles Gute.

#40: 18:20-2# (Altmann): Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.