#Volatility - Der Anlage-Podcast

#Volatility - Der Anlage-Podcast

Die Episode am 06.07.2022 war die letzte Folge von #Volatility im bekannten Set-up mit der Börsen-Zeitung. Wir bedanken uns bei Christiane Lang und Franz Cong Bùi für mehr als 60 spannende und kurzweilige Episoden. QC Partners ist engagiert, Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, auch weiterhin einen Podcast in diesem oder einem angepassten Format anzubieten. Über die Fortschritte dazu halten wir Sie über volatility.podigee.io, über die bekannten Plattformen sowie über www.qcpartners.com auf dem Laufenden.

Transkript

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#37: 00:05-1# Hashtag Volatility: Der Anlage-Podcast von Börsen-Zeitung und QC Partners.

#37: 00:15-4# [Lang] Das Thema Altersvorsorge drängt bereits seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Das Umlageverfahren der gesetzlichen Rente scheitert an der demografischen Entwicklung, durch die immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren müssen. Es führt kein Weg am Ausbau der betrieblichen und privaten Altersvorsorge vorbei. Doch Unternehmen und Pensionskassen ächzen angesichts des jahrelangen Niedrigzinsniveaus unter der wachsenden Last der Pensionsverpflichtungen. Und die private, aber staatlich geförderte Riester-Rente droht zu scheitern, weil die Regierungsparteien in der jetzt ablaufenden Legislaturperiode im Streit um die Höhe der Beitragsgarantien die dringend notwendige Reform nicht auf den Weg gebracht haben. Die Bedeutung der kapitalgedeckten Altersvorsorge ist auch mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl heute unser Thema. Und dazu begrüße ich Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, sehr herzlich. Mein Name ist Christiane Lang, ich bin Redakteurin bei der Börsen-Zeitung und ich spreche natürlich, wie immer, mit Thomas Altmann, Partner und Leiter des Portfoliomanagements bei QC Partners. Herr Altmann, Handeln ist in Sachen Altersvorsorge also dringend nötig. Im September steht, wie gesagt, die Bundestagswahl an. Und das Thema Rente ist schon lange zum Wahlkampfthema aufgebaut worden. Welche Pläne haben denn eigentlich die einzelnen Parteien?

#37: 01:26-7# [Altmann] Gehen wir in der Reihenfolge der aktuellen Umfragewerte vor und starten mit der Union aus CDU und CSU. Die Union schlägt ein flexibles Renteneintrittsfenster vor, innerhalb dessen Versicherte ihren Renteneintritt frei wählen können. Die Entwicklung der gesetzlichen Rente möchte die Union zukünftig nicht mehr an die Löhne, sondern an die Inflation koppeln. Der wirklich große und neue Vorschlag ist aber ein anderer. CDU und CSU schlagen die Einführung einer weiteren Säule im Rahmen der Altersvorsorge vor. Und dieser Baustein soll dann kapitalgedeckt sein. Das Ganze läuft unter dem Stichwort „Generationenrente“. An vielen Punkten bleibt die Union hier noch vage und wird wenig konkret. Im Gespräch ist, dass der Staat schon ab der Geburt einen monatlichen Geldbeitrag in einem Pensionsfonds einzahlt. Die monatlichen Zahlungen sollen dann bis zum 10ten Lebensjahr laufen, die Höhe des Beitrags ist aktuell noch offen. Im Gespräch sind 100 Euro pro Monat.

#37: 02:21-7# [Lang] Also das wäre natürlich wirklich ein ganz neuer Punkt. Nach den aktuellen Umfragen machen wir jetzt aber mit den Grünen erst einmal weiter.

#37: 02:27-6# [Altmann] Gerne. Bei Bündnis 90 / Die Grünen fallen die Ausführungen zur Rente im Wahlprogramm relativ knapp aus. Das Rentenniveau soll langfristig bei 48 Prozent gesichert werden, das Eintrittsalter bei 67 Jahren verharren. Die Grünen sprechen von einer Bürgerversicherung und meinen damit, dass Selbstständige oder Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung aufgenommen werden sollen. Mittelfristig sollen dabei auf alle Einkommensarten Beiträge erhoben werden. Und auch die Grünen möchten bei der Rente in einen kapitalgedeckten Bereich vorstoßen. Perspektivisch soll ein kapitalgedeckter Bürgerfonds die gesetzliche Rente ergänzen.

#37: 03:02-3# [Lang] Und auf Rang drei rangiert in den Umfragen aktuell die SPD. Was planen denn die Sozialdemokraten in Sachen Rente?

#37: 03:08-0# [Altmann] Auch die SPD möchte Beamte, Selbständige, Freiberufler und auch Politiker in das gesetzliche Rentensystem integrieren. Jede weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters lehnt die SPD ab. Das Rentenniveau soll wie auch bei den Grünen stabil bei 48 Prozent bleiben. Die aktuelle Riester-Rente möchte die SPD langfristig abschaffen und kurzfristig zumindest die Kosten senken. Stattdessen spricht sie sich für ein Modell nach schwedischem Vorbild aus. Was das genau bedeutet, darauf kommen wir sicherlich noch ausführlich zu sprechen.

#37: 03:39-0# [Lang] Auf jeden Fall. Das ist nämlich ein sehr interessanter Punkt. Aber zunächst: Wie sehen die Pläne der Liberalen aus, die ja zurzeit an vierter Stelle in den Umfragen liegen?

#37: 03:46-9# [Altmann] Wie schon die Union, möchte die FDP den Renteneintritt flexibler gestalten und die Rentenhöhe nach dem Eintrittsalter staffeln. Entscheidender Teil des Programms ist die „Gesetzliche Aktienrente“. Die FDP schlägt hier vor, dass alle Versicherten einen Beitrag von beispielsweise zwei Prozent des eigenen Bruttoeinkommens in eine gesetzliche Rente einzahlen. Der Beitrag zur bestehenden gesetzlichen Rentenversicherung soll dann entsprechend reduziert werden. Jetzt wird also klar, dass sich auch die Liberalen von Schweden haben inspirieren lassen.

#37: Und jetzt kommen wir noch zur AfD und den Linken. Was will die AfD?

#37: Die AfD schlägt einen ganz anderen Weg vor. Die AfD möchte die Steuerzuschüsse für die Rentenversicherung erhöhen. Politikerpensionen sollen abgeschafft werden und Eltern verspricht die AfD für jedes Kind eine Erstattung von Versicherungsbeiträgen in Höhe von 20.000 Euro.

#37: Und dann noch die Linke?

#37: Auch die Linke hat ein ganz eigenes Konzept. Das Rentenniveau soll in einer Sofortmaßnahme von 48 auf 53 Prozent angehoben werden. Damit soll eine Mindestrente von 1200 Euro monatlich festgelegt werden. Selbständige, Freiberufler, Beamte und Politiker sollen zukünftig wie auch in den Konzepten von Grünen und SPD in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Und die Riester-Rente möchte auch die Linke überwinden.

#37: 05:03-9# [Lang] Also das Stichwort Kapitaldeckung ist jetzt bei CDU/CSU, den Grünen, SPD und FDP ein Thema. Und wie gesagt aufgrund der demografischen Entwicklung mit den Auswirkungen auf das Umlageverfahren dringend notwendig. In der privaten Vorsorgesäule gibt es hier bereits die staatlich geförderte Riester-Rente, die aber nach 20 Jahren dringend reformbedürftig ist. Sie gilt als zu bürokratisch und angesichts des niedrigen Zinsniveaus und der hohen Garantien wie auch der hohen Kosten als unrentabel. Und wie Sie gesagt haben, ist die SPD auch weniger für die Reform der Riester-Rente als vielmehr für einen Staatsfonds nach dem Vorbild Schwedens, der dort AP7 heißt. Solch einen Fonds hatte auch die christlich-demokratische Arbeitsgemeinschaft der Sozialflügel der CDU schon vorgeschlagen und auch Verbraucherschützer plädieren dafür. Wie würde denn ein Staatsfonds aussehen? Und wo liegen seine Vorteile?

#37: 05:55-5# [Altmann] Wie der Name schon sagt, würde der Fonds an einer staatlichen Stelle verwaltet. Das könnte beispielsweise unter dem Dach der Rentenversicherung oder auch unter dem Dach der Bundesbank sein. Ein großer Vorteil eines Staatsfonds gegenüber privaten Produkten wie den aktuellen Riester-Produkten liegt in der deutlich günstigeren Kostenstruktur. Solch ein Staatsfonds würde auf Selbstkostenbasis arbeiten. Die Altersvorsorge würde dadurch zumindest in Teilen kapitalgedeckt. Denn der Anteil der Umlagefinanzierung wurde zurückgehen und angesichts der demografischen Struktur der deutschen Bevölkerung ist die Umlagefinanzierung ja das große Problem der Rentenversicherung. Wir sprechen bei Anlagen für die Rente von einem sehr langen Zeithorizont. Das ist erst recht ab der Geburt der Fall, aber auch bei einem Ansparbeginn mit Beginn des Arbeitslebens. Und bei einem solch langen Anlagehorizont sind aktienlastige Anlageformen besonders renditeträchtig

#37: 06:46-6# [Lang] Sie haben es ja schon gesagt, für den deutschen Staatsfonds wäre der schwedische AP7 das Vorbild. Doch es gibt einen Unterschied. Anders als die Deutschen es planen, lenken die Schweden nämlich einen Teil der gesetzlichen Rentenbeiträge in diesen Fonds um, ersetzen also Teile der Umlage durch Kapitaldeckung. In Deutschland dagegen sollen die gesetzlichen Rentenbeiträge weiterhin voll in die Umlage fließen. Und der Staatsfonds soll aus privaten Mitteln, also aus dem Nettogehalt der Arbeitnehmer, bezahlt werden, ohne dass diese zugleich aber, wie es im privaten Markt eigentlich üblich ist, eine große Auswahl an Anbietern und Produkten hätten. Die Fondsbranche hat das schon als Verstaatlichung der dritten Altersvorsorgesäule angeprangert und plädiert entsprechend für die Reform der Riester-Rente. Wäre denn so ein Staatsfonds in der privaten Säule mit begrenztem Produktangebot immer noch im Sinne der Arbeitnehmer?

#37: 07:34-4# [Altmann] An der Stelle ein ganz klares Ja. Ein Staatsfonds, so wie Sie ihn gerade beschrieben haben, wäre ganz klar im Sinne der Arbeitnehmer. Wir haben schon kurz über die Gebühren gesprochen. In Schweden arbeitet der staatliche Aktienfonds mit einer jährlichen Gebührenentnahme von siebeneinhalb Basispunkten, auf der Rentenseite sind es vier Basispunkte. Und da liegen die bestehenden Riester-Produkte natürlich in einer anderen Welt. Zusätzlich dürfen wir eines nicht vergessen: Wer nicht aktiv widerspricht, legt seine Beiträge in Schweden automatisch im AP7 an. Wer jedoch aktiv widerspricht, der kann seine Beiträge stattdessen in privat angebotene Produkte lenken. Und hier gibt es in Schweden aktuell etwa 500 staatlich zugelassene Alternativen. Private Produkte werden in diesem Modell also nicht vollkommen ausgebootet. Sie bekommen aber einen starken staatlichen Konkurrenten.

#37: 08:23-1# [Lang] Wenn man jetzt vielleicht einmal davon absieht, in welcher Säule ein deutscher Staatsfonds angesiedelt wäre, schauen wir noch einmal auf den AP7, der inzwischen auch der größte Fonds Europas ist. Wie ist der aufgebaut? Und wie hat der performt?

#37: 08:35-4# [Altmann] Der AP7 besteht aus dem AP7 Aktienfonds und dem AP7 Rentenfonds. Bis zu einem Alter von 55 Jahren werden Beiträge vollständig in den Aktienteil allokiert, ab dann wird schrittweise umallokiert, bis im Alter von 75 Jahren zwei Drittel in Renten und ein Drittel in Aktien investiert ist. Schauen wir mal genauer auf die Aktienseite: der Fonds investiert global. Mindestens 99% müssen außerhalb Schwedens angelegt werden. Bei der Aktienauswahl wendet der Fonds dabei einen Nachhaltigkeitsfaktor an. Zuletzt war der Fonds in mehr als 3000 Aktien weltweit investiert und das zeigt, wie diversifiziert der Fonds ist. Auf der Rentenseite liegt der Schwerpunkt im Bereich der sicheren Hypothekenanleihen. Die Performance auf der Aktienseite ist langfristig sehr hoch, schwankt aber auch stark. So lag das Plus 2017 bei 31 Prozent und das in einem Jahr, in dem der MSCI World gerade einmal acht Prozent erzielt hat. Im darauffolgenden Jahr 2018 lag das Minus dafür ebenfalls deutlich höher als beim MSCI World.

#37: 09:36-4# [Lang] Jetzt ist die Aktienquote in der ersten Phase bis zum Alter von 55 Jahren mit 100 Prozent extrem hoch. Wäre das denn in Deutschland überhaupt machbar? Die Bemühungen der Finanzbranche, die Bevölkerung in Massen zu mehr Aktien zu motivieren, sind ja bisher an der ganz besonderen Risikoaversion der Deutschen gescheitert. Worauf geht diese Skepsis hierzulande eigentlich zurück?

#37: 09:56-1# [Altmann] Jetzt schauen wir erst einmal auf den AP7. Die Aktienquote darf ja sogar auf deutlich über 100% angehoben werden. Maximal 150% sind erlaubt. Dafür nutzt der AP7 gezielt Derivate, um die Rendite eben weiter zu steigern. Schauen wir auf Deutschland. Die Deutschen sind grundsätzlich ein sehr sicherheitsbewusstes Volk. Dazu kommen schlechte Erfahrungen, die viele an der Börse gemacht haben. Wir müssen uns vor Augen führen, dass die Deutschen lange Zeit ein Volk von Börsenmuffeln und Sparbuchliebhabern waren. Ein gewisser Börsenhype begann dann mit dem Börsengang der Deutschen Telekom und dem Neuen Markt. In beiden haben jede Menge Privatanleger viel Geld verloren und diese negativen Erfahrungen bleiben hängen. Und überstrahlen die langfristigen Erträge eines breitgefächerten Aktienportfolios.

#37: 10:41-2# [Lang] Muss man daraus schließen, dass die Deutschen später im Vergleich zu anderen Nationen eher an Altersarmut leiden? Oder ist vielleicht inzwischen auch ein Umdenken in Sicht? Wie hat sich denn eigentlich der Anteil der Aktienbesitzer in Deutschland entwickelt?

#37: 10:53-2# [Altmann] Zum einen haben wir anfangs gehört, dass die Parteien sehr bemüht sind, das bestehende Rentensystem so zu reformieren, dass die ganz große Altersarmut ausbleibt. Aber wir sehen hier tatsächlich ein Umdenken in der Bevölkerung, und das ist für mich eine richtig gute Nachricht. Im vergangenen Jahr waren 12,4 Millionen Bürgerinnen und Bürger am Kapitalmarkt aktiv. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 2,7 Millionen. Damit nähern wir uns langsam wieder den Rekordzahlen aus der Zeit um die Jahrtausendwende an. Besonders positiv ist, dass wir bei den unter-30-Jährigen mit einem Plus von 600.000 zusätzlichen Aktionären und Fondsbesitzern einen Anstieg um 70 Prozent hatten. Und das macht wirklich Mut für die Zukunft.

#37: 11:33-2# [Lang] Also tatsächlich deutliches Wachstum, aber eben von einer kleinen Basis aus. Wie können denn aktienbasierte Rentenkonzepte unter Berücksichtigung der deutschen Sicherheitsmentalität aussehen?

#37: 11:43-8# [Altmann] Sinnvoll ist bei Aktien natürlich immer ein möglichst langer Anlagehorizont. Von daher bieten Konzepte, die schon bei der Geburt anlegen oder ab der Geburt regelmäßig anlegen, mit Ansparzeiten von mindestens 65 Jahren natürlich erhebliche Vorteile. Aber auch mit Beginn der Berufstätigkeit verbleibt ein ausreichend langer Zeithorizont. Und bei solch langen Zeiträumen ist eine häufig nachgefragte und auch häufig angebotene Kapitalgarantie tatsächlich wenig sinnvoll. Denn diese Garantie ist teuer und zehrt an der Performance. Wichtig ist, dass die gezahlten Einlagen den Beitragszahler auf einem individuellen Konto unmittelbar zugerechnet werden und wichtig ist außerdem, dass der Staat keinerlei Zugriff auf dieses Vermögen hat.

#37: 12:25-4# [Lang] Wenn wir jetzt mal weg von den staatlichen Konzepten gehen und auf die ganz private Vorsorge schauen, was ist denn besser die Einmalanlage oder der Sparplan? Abgesehen davon, dass oft keine größeren Beträge für die Einmalanlage vorhanden sind: Gerade risikoscheuen Anlegern oder eben solchen mit kleinen Anlagebeträgen werden ja meist Sparpläne ans Herz gelegt, mit dem Verweis auf den sogenannten Cost-Average-Effekt, der dafür sorgen soll, dass durch das regelmäßige Sparen ein niedrigerer Durchschnittskurs als bei der Einmalanlage erreicht wird. Dem widersprechen wissenschaftliche Arbeiten aber seit langem. Und auch Morningstar hat neulich eine Analyse veröffentlicht, nach der die Einmalanlage günstiger ist als das ratierliche sparen. Was stimmt denn nun?

#37: 13:05-4# [Altmann] Über einen langen Zeitraum ist beides gut und sinnvoll. Da kann ich vorab schon mal beruhigen. Und dazu kommt ja, wie Sie es jetzt gerade angesprochen haben, dass Anlegerinnen und Anleger, die vorsorgen wollenl, gar nicht unbedingt vor dieser Entscheidung stehen. Denn das Geld, das für die Altersvorsorge investiert werden soll, muss erst einmal verdient werden und steht meistens nicht ad hoc zur Verfügung. Was den Sparplan manchmal schlechter wegkommen lässt, ist ein statistischer Effekt. Vergleichen wir eine Einmalanlage über 30 Jahren mit einem Sparplan über 30 Jahre: Bei der Einmalanlage liegt das komplette Geld über 30 Jahre angelegt. Beim Sparplan ist nur die erste Einzahlung über 30 Jahre angelegt. Die letzte Einzahlung hat faktisch eine Haltedauer von null. Im Schnitt vergleichen wir dann also eine Haltedauer von 15 Jahren beim Sparplan mit 30 Jahren bei der Einmalanlage. Auf solche Zahlen sollten wir also nicht allzu viel geben. Langfristiges Aktiensparen ist auf alle Arten sinnvoll.

#37: 14:01-0# [Lang] Nun gibt es ja immer wieder Einbrüche an den Börsen, zuletzt der extreme Crash zu Beginn der Corona-Pandemie. Aber es heißt immer, bei langen Perioden ist die Rendite positiv. Ist das wirklich so? Wie sieht es denn tatsächlich aus mit den Aktienrenditen bei langen Halteperioden?

#37: 14:15-6# [Altmann] Wir nehmen hier als Datengrundlage den Dow Jones Index. Hier haben wir eine 125-jährige Datenhistorie ab dem Jahr 1896. Auch wenn ein tatsächliches Vorsorge-Portfolio natürlich breiter und vor allem globaler aufgestellt sein sollte. Ich möchte noch vorausschicken, dass die Zeitreihe, auf die wir jetzt schauen, zwei Weltkriege, die Finanzkrise und Covid-19 enthält. Damit sollten also genügend Risikofaktoren enthalten sein. Über diesen langen Zeitraum liegt die jährliche Rendite des Dow Jones durchschnittlich bei 5,5 Prozent. Und das zeigt schon mal, welche Möglichkeiten Aktiensparen bietet.

#37: 14:50-5# [Lang] Nun kann natürlich niemand 125 Jahre für sein Alter sparen. Aber es ist natürlich klar, was Sie damit zeigen wollen. Dennoch sind die Ergebnisse nicht immer abhängig vom gewählten Zeitraum. Gibt es also nicht auch längere Zeiträume, in denen die Aktienrenditen negativ waren? Denn das hätte ja massive Folgen für den Anleger, der genau zu diesem ungünstigen Zeitpunkt seine Altersvorsorge benötigt.

#37: 15:11-6# [Altmann] Ja, natürlich sind nicht alle Zeiten gleich an der Börse. Aber schauen wir uns diese langen Perioden mal genauer an. Bei einer Haltedauer von zehn Jahren sind schon 85 Prozent aller Zeiträume positiv und nur 15 Prozent negativ. Bei 20 Jahren sind schon 95 Prozent aller Zeiträume positiv. Bei einer Anlagedauer von 30 Jahren sind mehr als 99 Prozent positiv. Das knappe negative Prozent ist ausschließlich in den Zeiten der Weltkriege zu finden. Und über 40 Jahre haben Anlegerinnen und Anleger mit dem Dow Jones noch nie Geld verloren. Und das bedeutet auch, dass wir heute, obwohl unser Podcast Hashtag Volatility heißt, gar nicht groß über Volatilitäten sprechen müssen. Denn in diesen Fällen ist erhöhte Volatilität tatsächlich ein vorübergehendes Marktphänomen, das Anlegerinnen und Anleger dann ganz einfach aushalten beziehungsweise aussitzen können.

#37: 16:01-6# [Lang] Also das klingt natürlich tatsächlich überzeugend. Dass je länger der Zeitraum dauert, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer negativen Rendite ist, wenn man von wirklich dramatischen Ereignissen wie Krieg zum Beispiel absieht. Herr Altmann, jetzt haben wir die ganze Zeit vom Aufbau der Altersvorsorge gesprochen. Es gibt natürlich auch die sogenannte Entnahmephase. Und hier lauern natürlich auch Risiken.

#37: 16:21-7# [Altmann] Das ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Eine Möglichkeit machen uns hier die Schweden vor, mit ihrer schrittweisen Umschichtung von Aktien in Renten. Denn während in der Ansparphase Rendite oberste Priorität hat, geht in der Entnahmephase Sicherheit vor. Und hier ist es sicherlich auch eine Möglichkeit, am Ende sogar zu 100 Prozent in sicheren Anlagen zu sein.

#37: 16:41-0# [Lang] Also, letztlich spricht alles für eine langfristige Aktienanlage. Und es geht kein Weg daran vorbei, dass die Altersvorsorge stärker kapitalgedeckt werden muss. Denn Demografie und fehlende Zinsen lassen das bisherige System langsam, aber sicher scheitern. Und es gibt ja bereits verschiedene Ansätze, wie wir gehört haben. Jetzt hoffen wir natürlich, dass die künftige Bundesregierung das Thema wirklich entschlossen angeht, damit die junge Generation auch eine Perspektive hat. Herr Altmann, vielen Dank für die wieder sehr interessanten Einblicke. Und damit kommen wir zum Ende und verabschieden uns von Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer. Wir freuen uns natürlich, wenn Sie wieder dabei sind am 21. Juli, wenn die nächste Folge von Hashtag Volatility erscheint. Und bereits am kommenden Freitag, am 9. Juli ab sieben Uhr, erwartet Sie eine neue Folge des Podcasts 7TageMärkte, die Wochenvorschau der Börsen-Zeitung. Bis dahin, alles Gute!

#37: Vielen Dank für Ihr Interesse.