00:00:00: Der heiße Sommer und die Wirtschaft.
00:00:20: Herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Hashtag Volatility!
00:00:23: Liebe Hörerinnen und Hörern, wir erleben einen außergewöhnlich heißen Sommer im Jahr zwanzig.
00:00:29: Hitze-Rekorde, anhaltende Trockenheit und verheerende Waldbrände prägen die Schlagzeilen – doch welche Folgen hat diese Entwicklung für die Wirtschaft?
00:00:36: Genau darüber sprechen wir in der heutigen Episode!
00:00:38: Und wie immer tue ich das gemeinsam mit Thomas Altmann.
00:00:40: Hallo Thomas!
00:00:41: Hallo Katharina!
00:00:43: Thomas, Deutschland hat in diesem Sommer einen neuen Temperaturrekord erlebt.
00:00:46: Zum Einstieg, Wie heißt es tatsächlich geworden und wo wurden die höchsten Temperaturen gemessen?
00:00:52: Am siebenundzwanzigsten Juni wurden in Drehwitz und Sachsen-Anhalt einundvierzchkommer acht
00:00:56: Grad gemessen.
00:00:58: Die Angabe mag jetzt vielleicht einige überraschen, aber diese Messung wurde im Rahmen der Qualitätskontrolle nachträglich
00:01:04: nach oben korrigiert –
00:01:06: und damit liegt Drehowitz jetzt eben Nullkommaeingrad über dem Wert aus neisen Mündekoschen in Brandenburg, über den deutlich mehr
00:01:13: berichtet wurde!
00:01:15: Es ist wirklich gar nicht so einfach, bei all den Temperaturrekorden Überblick zu behalten.
00:01:19: Schließlich wurde ja bereits im Juni ein neuer Rekord aufgestellt – richtig?
00:01:22: Genau so ist es!
00:01:23: In Saarbrücken wurden früher im Junis einem Vierzig Komma
00:01:26: Drei Grad gemessen.
00:01:28: Damit wurde der vorherrige Rekort aus dem Jahr zwei Tausend
00:01:31: Neunzehn erstmals überdroffen.
00:01:33: Spannend finde ich in diesem Zusammenhang eine Auswertung
00:01:36: des deutschen Wetterdienstes
00:01:37: und die zeigt, dass unter den zwanzig höchsten jemals in Deutschland gemessenen Temperaturen jetzt nur noch drei sind, die nicht
00:01:45: aus diesem Jahr stammen.
00:01:46: Das ist wirklich bemerkenswerter Zahlen!
00:01:48: Gab es in diesem Sommer neben den Temperaturrekorden noch weitere Wetterextreme oder Rekorder?
00:01:53: Tatsächlich ja auch wenn der nächste Rekord etwas komplizierter
00:01:57: klingt.
00:01:58: Wir hatten ebenfalls im Juni den höchsten jemals gemessenen Tiefstwert.
00:02:03: In einem Weingebiet in Rheinland-Pfalz wurde eine Tages-Tieftestemperatur von achtundzwanzig Komma zwei
00:02:08: Grad gemessen und
00:02:09: das waren sogar zwei Grad mehr als zweitausend
00:02:12: neunzehn.
00:02:13: Außer Wahnsinn fällt mir dazu kaum noch was ein, aber bewerfen wir den Blick über Deutschland hinaus!
00:02:18: Wie sieht die Lage weltweit aus?
00:02:19: Werden auch global neue Temperaturekorder erreicht?
00:02:22: Weltweit tatsächlich nein, und da ist der Temperatur-Rekord
00:02:26: schon sehr alt.
00:02:27: Der stand aus dem Jahr nineteenhundertdreizehn.
00:02:30: Da
00:02:30: wurde ihm das Valley in den USA fifty-seixundfünfzig Komma
00:02:33: sieben Grad gemessen.
00:02:35: Wer es das Valley kennt weiß allerdings dass das unterhalb des
00:02:39: Meeresspiegels liegt!
00:02:40: Das ist fast schon eine Überraschung.
00:02:42: kein neuer Hitze Rekord.
00:02:43: aber Hand aufs Herz gibt es noch andere Rekorde die nächsten Sommer für Schlagzeilen gesorgt haben?
00:02:48: Ja, einen gibt es auf jeden Fall noch und das
00:02:50: ist die globale Meere-Temperatur.
00:02:52: Das ist die durchschnittliche Temperatur, die an den Oberflächen der Weltmeere
00:02:56: also der Ozeane gemessen wird –
00:02:58: und die lag am Messstichttag, der Juni, bei einundzwanzig
00:03:03: Grad
00:03:03: und damit so hoch wie niemals
00:03:05: zuvor!
00:03:06: Und auch hier ist wahrscheinlich der Klimawandel mit der globalen Erwärmung die Ursache oder?
00:03:10: Der ist einer von zwei Punkten, neben der Klimaerwärmung spielt hier das Klimafenomen
00:03:15: El Nino eine Rolle.
00:03:17: Dieses Phänomen wiederholt sich alle zwei bis
00:03:19: sieben Jahre!
00:03:20: El
00:03:21: Nio beginnt mit einer Abschweichung der Passatwinde im tropischen Pazifik und führt dadurch zu veränderten Meeresströmungen.
00:03:28: Welche Konsequenzen hat es wenn sich die Ozeane immer stärker werden?
00:03:31: Die Ozean sind an sich ein Klimapuffer.
00:03:34: Das heißt, sie nehmen neunzig Prozent der vom Klimawandel erzeugten
00:03:38: Wärme auf
00:03:39: und sorgen eigentlich für eine Kühlung
00:03:41: der Landmassen.
00:03:43: Wenn sich die Welt mehrere jetzt immer stärker erwärmen hat das Folgen für die Ökosysteme UND fürs globale
00:03:49: Klima.
00:04:03: Ja, das Forschungsunternehmen Prognos hat dazu eine ausführliche
00:04:06: Studie erstellt.
00:04:08: Demnach kostet jeder Hitze Tag mit einer Temperatur von mehr als dreißig Grad die deutsche Wirtschaft vierhundertdreißig Millionen
00:04:16: Euro.
00:04:17: Übersteigt die Temperatur die Vier- und Dreißig-Grad-Marke dann liegen die Kosten mit neunhundertviertzig Millionen
00:04:24: Euro pro Tag
00:04:25: sogar mehr
00:04:25: als doppelt so hoch.
00:04:27: Oh je!
00:04:27: Das ist wirklich ein immenser Hitzeschaden.
00:04:29: Wie kommen diese Werte denn zustande?
00:04:36: Das bedeutet, Menschen arbeiten bei extremer Hitze langsamer
00:04:40: und unkonzentrierter.
00:04:41: Benötigen mehr und längere Pausen unterzukommen, dass die Krankheitstage bei solch extremen Bedingungen
00:04:48: ansteigen.
00:04:49: Auch eine Studie des Kreditversicherers Allianz Trade sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Temperatur und
00:04:56: Produktivität.
00:04:57: Und welche Ergebnisse siehst du in dieser Studie?
00:05:00: Demnach sinkt die Produktivität ab dreißig Grad um drei Prozent pro Grad Temperaturanstieg.
00:05:06: Gleichzeitig steigen die Energiekosten pro Grad um eins Komma zwei
00:05:10: Prozent.
00:05:11: hier kommen beispielsweise höhere Stromkosten für Klimaanlagen
00:05:15: zum Tragen.
00:05:16: Hast du eine Einschätzung, wie hoch der Schaden dieser Hitzewellen insgesamt ist?
00:05:20: Ja auch dazu liefern die beiden genannten Studien gute
00:05:23: Einblicke.
00:05:24: Prognas hat berechnet, dass allein die Hitzewelle Ende Juni die deutsche Wirtschaft sechs Komma drei Milliarden
00:05:31: Euro gekostet hat.
00:05:32: Allianz Trade sieht von zwei Jahrzehntzechsundzwanzig bis zwei Jahrzentdreißig bei vergleichbaren Hitzewellen eine mögliche Gesamtbelastung von bis zu einhundert zwölf Komma fünf
00:05:42: Milliarden
00:05:43: und das wären bis zu drei Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes.
00:05:48: Das ist eine alarmierende Zahl.
00:05:49: Du hast gerade die wirtschaftlichen Schäden angesprochen.
00:05:52: Da liegt die Frage nahe, wenn die Wirtschaft unter der Hitze leidet belastet das am Ende nicht auch die öffentlichen Haushalte und damit den deutschen Staat?
00:05:59: Das ist definitiv wahr!
00:06:00: Und man geht hier von bis zu Null Komma neun Prozent
00:06:03: pro Jahr
00:06:03: aus.
00:06:04: Dass es eine Kombination aus Steuerausfällen und Kosten für Gesundheit und Infrastruktur bei der Infrastruktur denken wir beispielsweise an Hitze-Schäden auf den Autobahnen, die viele ja unter
00:06:16: dem Namen Blowups kennen.
00:06:18: Damit dürften in diesem Sommer tatsächlich viele Menschen in Berührung gekommen sein.
00:06:22: Du hast gerade das Thema Klimaanlagen und den steigenden Stromverbrauch angesprochen, wenn ich richtig informiert bin sind Klimaanlage in Deutschland bislang allerdings noch nicht besonders weit verbreitet.
00:06:30: Stimmt dieser Eindruck?
00:06:31: Da hast du vollkommen recht!
00:06:33: Bei den twenty-fünfundzwanzig fertiggestellten Neuberwohnungen waren nur vier Prozent
00:06:37: klimatisiert.
00:06:39: Bei neuen Gebäuden für das Sozialwesen waren es immerhin vierzehn-einhalb
00:06:43: Prozent –
00:06:44: und das meint Gebäude wie Kitas oder Pflegeeinrichtungen.
00:06:47: Bei
00:06:48: neuen Bürogebäuden ist mittlerweile immerhin jedes Dritte
00:06:51: klimatisiert.
00:06:53: In einigen Bereichen wird also mehr klimatisiert, wie stark sind die Anstiege hier?
00:06:57: Die sind tatsächlich beachtlich und spannend finde ich vor allem
00:07:01: zwei Zahlen.
00:07:02: In Deutschland ist die Produktion von Klimaanlagen laut schattesischem Bundesamt in den vergangenen fünf Jahren um seventy-fünf Prozent
00:07:10: angestiegen.
00:07:11: Und China hat im ersten halb Jahr zwanzig
00:07:32: sechsundzwanzig.
00:07:33: Es scheint also tatsächlich ein Umdenken einzusetzen und bei solchen Temperaturen ist das vermutlich auch dringend nötig.
00:07:39: Wir haben zu Beginn der Episode bereits über die Weltmeere gesprochen, einen wichtigen Aspekt haben wir aber noch nicht beleuchtet und zwar die Flüsse.
00:07:46: Sie sind innerhalb Deutschlands riesig zentrale Transportwege, welche Auswirkungen hat die anhaltende Hitze auf die Flussschifffahrt?
00:07:52: Und was bedeutet das für die Wirtschaft?
00:07:54: Hier wenn wir den Reihen bei Koblenzer rausgreifen hatte der Ende Juni mit fast dreißig Grad eine
00:07:59: neue Rekordtemperatur.
00:08:01: aber das ist bei dem Flüssen deutlich weniger entscheidend als der Pegelstand.
00:08:06: Was kannst du uns zu den Pegeln sagen?
00:08:08: Lass uns hier direkt mit den Negativrekorden
00:08:11: starten.
00:08:11: Am Pegel Lobit in den Niederlanden wurde für den Rhein der niedrigste Wasserstand aller
00:08:16: Zeiten im Juli gemessen,
00:08:18: Der bisherige Niedrigwasser-Rekord stammte aus dem Dörrerjahr, in Köln wurde der Rheinpegel mit nur noch siehzig
00:08:27: Zentimeter festgestellt
00:08:29: und das ist gleich bedeutend mit dem niedrigsten jemals dort
00:08:33: gemessenen Wasserstand.
00:08:35: Und bei anderen deutschen Pegeln sieht das wahrscheinlich nicht viel anders aus, oder?
00:08:38: Ja im Rahmen meiner Recherche für die Episode habe ich zum Stichtag dritten August auf die
00:08:43: Pegelstände geschaut.
00:08:44: Und da
00:08:45: hatte die Donauber Donaward einen Pegelstand neunundneinzig Prozent unter dem Durchschnittswert der vergangenen
00:08:51: zehn Jahre!
00:08:52: Und was bedeutet das für eine Bindenschifffahrt?
00:08:55: Sofern Strecken überhaupt noch befahrbar sind muss mit deutlich weniger
00:08:58: Ladung gefahren werden.
00:09:00: Auf dem Reihen ist teilweise nur noch eine Beladung von
00:09:03: einem Drittel möglich.
00:09:04: Das erhöht die Kosten und verlängert die Lieferzeiten.
00:09:08: Und klar, wenn diese höheren Kosten im Sinne höherer Produktpreise weitergegeben werden, sprechen wir über das Risiko einer erhöhten Inflationsrate.
00:09:16: Über das Thema Inflation haben wir bereits in der vergangen Episode gesprochen – damals vor allem im Zusammenhang mit steigenden Energiekosten!
00:09:23: Doch das extremen Wetter trifft noch eine weitere wichtige Branche – die Nahrungsmittelindustrie.
00:09:27: Welche Auswirkungen haben die Hitze und Schrockenheit auf die Produktion von Lebensmitteln?
00:09:32: Und was bedeutet das für die Verbraucherinnen und
00:09:33: Verbrauchern?".
00:09:35: Herr Brognoz gibt die Auswirkung der Juni-Hitzewelle für die Lebensmittelindustrie mit einhundertsechsundneunzig Millionen
00:09:41: Euro an.
00:09:42: Kostentreiber sind hier in höhere Strombedarf, Verlagerung und Kühlung UND die höheren Transportkosten!
00:09:49: Da sind wir jetzt eben wieder beim Niedrigwasserproblem.
00:09:52: Dazu kommen dass nicht alle Pflanzen die hohen Temperaturen
00:09:56: vertragen
00:09:57: oder dann gegen teures Geld zusätzlich bewässert
00:10:00: werden müssen.
00:10:01: Das ist wirklich ein ganzes Bündel an Hitze-Auswirkungen!
00:10:04: Jetzt ist Hashtag Volatility ja ein Anlagepodcast, welche Auswirkungen hat die Hitze für die Börsen?
00:10:09: Ja natürlich reagieren die Aktien von Unternehmen aus den angelsprachenden Branchen auf die Hitzerauswerkungen.
00:10:15: Interessant finde ich aber eine ganz speziellen
00:10:18: Aktienindex.
00:10:19: Von welchem sprichst du?
00:10:20: Das ist der MSCI All Country Extreme Weather Industrial Solutions
00:10:25: Index.
00:10:26: Der bietet das Unternehmen die Produkte herstellen, die den Umgang mit extremen Wetterverhältnissen erträglicher
00:10:32: machen sollen.
00:10:33: Das klingt wirklich spannend!
00:10:34: Welche Unternehmen finden wir denn darin?
00:10:36: Aktuell bietet der Index aus drei
00:10:38: und vierzig Unternehmen
00:10:40: Die sieben am höchsten Gewichteten stellen allesamt
00:10:43: Klimaanlagen her.
00:10:45: Da spannt der Index wirklich einen großartigen Bogen.
00:10:47: zu unserer heutigen Episode.
00:10:48: Wie hat er sich dann entwickelt?
00:10:50: Im ersten Halbjahr dieses Jahres ist er um stolze neunundzwanzig Prozent
00:10:54: angestiegen
00:10:55: und hat damit den MSI All Country World Index um siebzehn Prozent
00:10:59: distanziert,
00:11:00: wobei alleine sieben Prozent dieser Outperformance aus dem Hitze
00:11:04: Juni kommen.
00:11:05: Da waren Klimaanlagen also für Hersteller- und Aktienanleger gleichermaßen ein gutes Geschäft.
00:11:10: Fällt die langfristige Entwicklung denn ebenfalls zu stark aus?
00:11:13: Da ist natürlich immer etwas die Frage auf welchen Zeitraum
00:11:16: du blickst!
00:11:17: Im weniger warmen, vergangenen Jahr zwanzigfünfundzwanzig hat sich der klassische All Country World Index acht Prozent
00:11:23: besser entwickelt.
00:11:24: Du kannst ja wahrscheinlich schon denken welche Frage ich jetzt nächstes habe und zwar wie fallen die Schwankungen also die Volatilität bei diesem Extremwetterindex aus?
00:11:32: Die Frage ist tatsächlich
00:11:34: schnell beantwortet!
00:11:35: Die historische Volatilität ist beim Extreme Versus Solutions Index durchgehen
00:11:40: deutlich höher.
00:11:41: Das liegt natürlich auch daran, dass es deutlich weniger Aktien und deutlich weniger Branchen
00:11:46: besteht.
00:11:47: Entsprechend ist er eben deutlich weniger
00:11:49: diversifiziert.".
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00:12:15: Es handelt sich nicht um eine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren!